Das sensomotorische System umfasst sowohl die sensorische Reizaufnahme und -verarbeitung als auch eine adäquate Muskelantwort. Sensomotorisches Training verbindet somit Aspekte des Perzeptionstrainings (Wahrnehmungstrainings) und des motorischen und koordinativen Lernens. Studien zeigen, dass sensomotorisches Training zu neuromuskulären Anpassungen führt, die sich in einer verbesserten Koordinationsfähigkeit und Gleichgewichtskontrolle zeigen und damit das Sturz- und Verletzungsrisiko verringern. Auch eine allgemein verbesserte Körperwahrnehmung kann durch sensomotorisches Training erreicht werden.
Bei sensomotorischem Training ist es wichtig, mit einfachen Übungen zu starten und diese langsam zu steigern. Übungen sollten dabei stets herausfordern, aber nicht überfordern. Der Schwierigkeitsgrad u.a. über eine Variation des Untergrunds und/oder der Standposition gesteuert werden. Beginnen Sie Übungen auf einem ebenen, festen Untergrund. Schwieriger werden die Übungen durch den Einsatz von labilen Unterlagen, wie z.B. Gymnastik-/Turnmatten, Kreiseln oder Balancepads. Bezüglich der Standposition kann der Schwierigkeitsgrad von Übungen wie folgt variiert werden (Schwierigkeitsgrad aufsteigend):
- Hüftbreiter, beidbeiniger Stand
- Beidbeiniger Stand, Füße so eng wie möglich
- Tandemstand mit Füßen leicht versetzt nebeneinander
- Tandemstand mit Füßen voreinander in einer Linie
- Einbeinstand
Weitere Schwierigkeitssteigerungen können über ein Ausschalten oder Fordern anderer Sinnesorgane erreicht werden. So werden Übungen schwieriger, wenn die Übenden die Augen schließen oder z.B. den Kopf abwechselnd langsam nach rechts und links bewegen. Auch zusätzliche kleine Bewegungs- oder Denksportaufgaben können zur Variation der Anforderung eingesetzt werden. Für ein sensomotorisches Training können z. B. Igelbälle oder Körnerkissen verwendet werden, aber auch Smoveys oder Brazils (oder ähnliche Kleingeräte) eignen sich gut für ein gezieltes Training.
Es wird ein Training mit einer Belastungs- und Pausendauer pro Übung von etwa 20 Sekunden, mit einer dreimaligen Wiederholung, empfohlen. Eine Anzahl von 3 – 5 sensomotorischen Übungen pro Trainingseinheit sollten nicht überschritten werden. Empfohlen werden zudem 2-4 Trainingseinheiten pro Woche. Um einen bestmöglichen Effekt zu erzielen, ist es daher wichtig, den Teilnehmenden der Rehabilitationssport-Gruppe kleine „Hausaufgaben“ mitzugeben.