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Indikationsbereiche

Kinder-Rehasport

Chronische Krankheiten und Behinderungen sind im Kindes- und Jugendalter nicht selten. So haben rund 194.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren eine anerkannte Schwerbehinderung. Zudem ist etwa jedes sechste Kind zwischen 0 und 17 Jahren von einer chronischen Erkrankung betroffen. Erfahre, welche positiven Effekte der Rehasport für Kinder bewirken kann.

07.05.2026- 15 Minuten Lesedauer

In der Kindheit und Jugend werden wichtige Weichen für das spätere Leben gestellt. Behinderungen oder chronische Erkrankungen können in dieser frühen Lebensphase bereits zu vielfältigen Teilhabeeinschränkungen führen und sowohl die aktuelle als auch spätere Lebenssituation wesentlich beeinträchtigen. Eine frühzeitige, gezielte Versorgung betroffener Kinder und Jugendlicher ist daher von fundamentaler Bedeutung. 

Anders als im Regelsport, wo häufig eher der Leistungs- und Wettkampfgedanke vorherrscht, bietet der Rehasport für Kinder ein individuell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Angebot. Ziel ist die Förderung der motorischen und geistigen Entwicklung, die Stärkung des Selbstwertgefühls sowie die Schaffung von bestmöglichen Voraussetzungen für den Alltag, für die Schule und den späteren Beruf. Kinder-Rehasport führt die Kinder behutsam an die altersgerechte Leistungsfähigkeit heran und kann Therapieangebote, wie z.B. Physio- oder Ergotherapie, sinnvoll ergänzen.

 

Vertiefende Infos zu ausgewählten Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter:

AD(H)S
Adipositas
Asthma Bronchiale

AD(H)S

Die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine psychische Erkrankung, die häufig bereits im Kindesalter auftritt. ADHS ist mit drei hauptsächlichen Auffälligkeiten verbunden: starke Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, starke Impulsivität (besonders unbedachtes, ungeduldiges Verhalten), ausgeprägte körperliche Unruhe (Hyperaktivität). Eine rein defizitorientierte Sichtweise auf die Betroffenen wird diesen allerdings nicht gerecht, da sich z.B. Impulsivität auch in Spontanität, Flexibilität oder Kreativität ausdrücken kann. 

Die Kernsymptome von ADHS treten selten einzeln auf. Am häufigsten sind sie verbunden mit einem oppositionellen, trotzigen oder aggressiven Verhalten. Zudem entwickeln viele Kinder mit der Zeit emotionale Probleme, wie Ängste und Unsicherheiten bis hin zu Depressionen. Denn viele betroffene Kinder werden von Gleichaltrigen abgelehnt oder haben durch die nicht angemessenen Verhaltensweisen vermehrt Auseinandersetzungen mit den Eltern, was die Beziehung zwischen Eltern und Kind häufig sehr belastet. 

Sport und körperliche Aktivitäten bieten eine tolle Möglichkeit, den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern zu kanalisieren. Durch Sport können sie ihre Energie in eine konstruktive Richtung lenken. Wissenschaftliche Studien belegen zudem, dass Sport und körperliche Aktivität auch bei Kindern mit ADHS helfen können. Denn durch die Bewegung wird die geistige Leistungsfähigkeit gefördert und somit positive Effekte auf die Konzentration und Aufmerksamkeit erzielt. Beim Rehasport können Kinder mit ADHS in kleinen Gruppen von maximal 10 Kindern ganz ohne Leistungsgedanken trainieren und Spaß haben. 

So kann (Reha-)Sport weitere Maßnahmen, wie z.B. eine Verhaltenstherapie oder medikamentöse Therapie sinnvoll ergänzen. 

Rehasport ist für „mich mit anderen Kindern zu turnen und Spaß zu haben“

Kinder laufen im Slalom durch Hütchen in der Turnhalle

Benedikt, 7 Jahre, ADHS

Bei der Frage nach seinen liebsten Hobbys muss Benedikt Trautvetter nicht lange überlegen. Fußballspielen, Klettern, Turnen und Schwimmen machen ihm besonders Spaß. Aktiv sein, sich auspowern. Beim Spielen und Toben ist der Siebenjährige aus Remscheid in seinem Element. Immer donnerstags steht für ihn nach der Schule sein geliebter Rehasportkurs auf dem Programm. „Ich mag es, mich zu bewegen“, sagt er.

Mehr erfahren
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Adipositas

Adipositas ist eine chronische Erkrankung, die definiert ist als eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts. Adipöse Menschen nehmen mehr Energie (= Kalorien) zu sich, als der Körper verbraucht – die überschüssige Energie wird in Form von Fett im Körper gespeichert. In den meisten Fällen entsteht die Adipositas durch eine ungünstige Ernährung in Verbindung mit mangelnder Bewegung. Aber z.B. auch genetische Ursachen, Hormonstörungen oder depressive Erkrankungen können eine Adipositas begünstigen. 

Immer häufiger tritt eine Adipositas bereits im Kindes- und Jugendalter auf. So sind laut Studien zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) 15,4 % der Kinder und Jugendlichen von Übergewicht betroffen, 5,9 % haben eine Adipositas. Dies kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen mit sich bringen. Denn das hohe Gewicht der adipösen Kinder belastet Knochen und Gelenke, verändert den Stoffwechsel sowie den Hormonhaushalt. Infolgedessen besteht ein hohes Risiko für Begleit- und Folgeerkrankungen wie zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Gicht, Fettleber, Rücken- und Gelenkerkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch psychische und seelische Folgen sind möglich, denn übergewichtige Kinder sind häufig Ablehnung und Hänseleien ausgesetzt. Das beeinträchtigt das Selbstwertgefühl und kann Depressionen begünstigen.

Die Behandlung von Adipositas erfordert oft einen umfassenden Ansatz, der Bewegung, Ernährung und Verhalten kombiniert. Sport und regelmäßige Bewegung spielen bei der Behandlung von Adipositas eine entscheidende Rolle. Durch ein kindgerechtes Ausdauertraining (z.B. in Form von kleinen Bewegungsspielen) wird der Stoffwechsel angeregt und das Herz-Kreislauf-System gefördert. So kann u.a. das Risiko von Herzerkrankungen reduziert werden. Darüber hinaus wird Muskelmasse aufgebaut, die wiederum zur Unterstützung einer langfristigen Gewichtskontrolle sehr hilfreich sind. Denn Muskeln verbrennen mehr Kalorien als Fettpolster – sogar, wen man in Ruhe auf dem Sofa sitzt. Ebenso wirkt sich Sport positiv auf die psychische Gesundheit aus, wirkt stimmungsaufhellend und kann Stress, Angstzustände und Depressionen reduzieren. Er stärkt das Selbstbewusstsein und verbessert das allgemeine Wohlbefinden. 

Kinder mit Adipositas haben häufig eher schlechte Erfahrungen im Sport (z.B. Schulsport) gemacht. Ziel des Rehasports ist es daher auch, ganz losgelöst von Leistungsgedanken, wieder Spaß und Freude an Bewegung zu vermitteln.  

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Asthma Bronchiale

Asthma bronchiale ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. In Deutschland sind etwa fünf bis zehn Prozent der Kinder davon betroffen. Die Erkrankung geht mit dauerhaft entzündeten Atemwegen einher und äußert sich häufig durch Husten, pfeifende Atemgeräusche sowie Atemnot. Auslöser können unter anderem Allergien oder Infektionen sein. Dank moderner inhalativer Medikamente können viele Betroffene heute einen weitgehend beschwerdefreien Alltag führen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass regelmäßige Bewegung zahlreiche positive Effekte für Menschen mit Asthma hat. Ein an die individuelle Belastbarkeit angepasstes Ausdauertraining kann die Atemtiefe verbessern, während gezieltes Krafttraining die Körperhaltung unterstützt und die Atemmuskulatur stärkt. Dadurch arbeitet die Atmung effizienter, die körperliche Belastbarkeit steigt und Beschwerden wie Atemnot treten seltener auf. Zudem berichten sportlich aktive Betroffene häufig von einem besseren Wohlbefinden und einer stärkeren sozialen Teilhabe. Besonders wichtig in der Praxis ist eine ausreichende Aufwärmphase. Ein plötzlicher Beginn intensiver Belastung kann bei Asthma zu einer Verengung der Bronchien und somit zu Atemproblemen führen.

Voraussetzung für sportliche Aktivitäten ist jedoch, dass das Asthma medizinisch gut eingestellt und kontrolliert ist. Unter dieser Voraussetzung können Kinder und Jugendliche mit Asthma grundsätzlich genauso Sport treiben wie Gleichaltrige ohne Erkrankung.

Kinder spielen in einer Gruppe stehend Ball
© picture alliance / DBS
Ein Gruppe von Kindern beim Rehasport mit bunten Ringen
© picture alliance / DBS
Eine Gruppe von Kindern beim Rehasport mit bunten Bällen
© picture alliance / DBS
Eine Gruppe von Kindern balancieren über eine Bank
© picture alliance / DBS
Zwei Mädchen beim Rehasport balancieren über eine Bank
© picture alliance / DBS
Eine fröhliche Gruppe von Kindern beim Rehasport
© picture alliance / DBS
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Materialien zum Kinder-Rehasport

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Infomaterialien

Du möchtest auf dein Rehasport-Angebot für Kinder aufmerksam machen und Eltern, Ärzt*innen oder in Schulen die positiven Effekte des Rehasports für die Kinder näher bringen? Dann nutze gerne die Infomaterialien des DBS. 

>> Flyer Rehasport für Kinder (Zielgruppe Eltern und Sorgeberechtigte)

>> Flyer Rehasport für Kinder (Zielgruppe Ärzt*innen)

Der Flyer zum Kinder-Rehasport für Ärzt*innen eignet sich sehr gut als Ergänzung zum allgemeinen Flyer zum Rehabilitationssport, in dem die Verordnung erläutert wird. 

>> Flyer Verordnung von Rehabilitationssport

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Mitgliedergewinnung im Kinder-Rehasport

Bei Erwachsenen mit chronischen Erkrankungen und (drohenden) Behinderungen hat sich der Rehasport als sinnvolle Maßnahme zur Verbesserung der individuellen Leistungsfähigkeit und Lebensqualität etabliert. Dass der ärztlich verordnete Sport nicht nur der Ü-60 Generation hilft, sondern bereits im Kindes- und Jugendalter effektiv eingesetzt werden kann, ist vielen Eltern und sogar Ärzt*innen jedoch nicht bekannt. Umso wichtiger ist es, Betroffene wie Ärzteschaft in deiner Region über die positiven Effekte, die Vielfalt und Potenziale des Kinder-Rehasports aufzuklären und über dein Vereinsangebot zu informieren. Mit einem Leitfaden möchten wir Anregungen geben, bei welchen Personenkreisen, Einrichtungen und Organisationen in du potenziell Unterstützung bei der Bewerbung deines Kinder-Rehasport-Angebotes erhalten kannst.

>> Leitfaden anschauen

rehasport-partner
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Deutscher Behindertensportverband und Nationales Paralympisches Komitee (DBS) e.V.
- Im Hause der Gold-Kraemer-Stiftung -

Tulpenweg 2-4
50226 Frechen-Buschbell

  • E-Mail : reha-sport@dbs-npc.de
  • Internet : www.dbs-npc.de
  • Telefon : +49 (0) 2234-6000-0

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